marianne lang
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plafond / zeichnung / papier modell / 2010

exhibition view: flat 1 / vienna / 2010

die rauminstallation plafond besteht aus dünnen fichtholzlatten und mit heißkleber verbundenen elementen aus siebdruckkarton. in leichter schräglage an schnüren aufgehängt berührt sie keine umgebenden wände und wirkt trotz ihrer filigranen machart und dem scheinbar schwebenden zustand über den köpfen der ausstellungsbesucher schwer und massiv. die künstliche zwischendecke weist kaum mehr ähnlichkeit auf mit kassettendecken aus holz, so wie sie noch heute in manchen landhäusern zu finden sind. die einzelnen kassettenteile verfügen über quadratische öffnungen, die wie kleine fenster wirken und bedingt den blick in den dahinter liegenden bereich freigeben. die ursprüngliche raumhöhe in dem schalen zimmer misst knappe viereinhalb meter, wird aber durch das gebilde auf cirka zweieinhalb meter abgesenkt. durch diesen eingriff entsteht ein kleinerer raum, ein überschaubarerer raum, möglicherweise ein heimeligerer raum als vorher. wie ein verspieltes accessoire hängt durch die perforierte konstruktion eine schlichte glühbirne herab und bildet eine verbindung zur realen zimmerdecke. die lampe taucht die installation in warmes licht und füllt gleichzeitig den raum darüber mit einem geometrischen schattenspiel verzerrt projizierter quadrate.
dennoch gibt die installation nichts vor, was sie nicht ist. ganz bestimmt ist sie kein schickes designerobjekt, um innenarchitektur zu gestalten. der karton wurde stellenweise ungenau verklebt, man sieht die asymmetrische aufhängung, die die anliegenden fensterläden blockierten, und aus weiteren unsauberkeiten wird kein hehl gemacht. vielmehr handelt es sich um ein sich manifestiert habendes gedankenkonstrukt, eine idee maßgeschneidert für den ausstellungsraum. wie definieren wir unseren umraum? und wie oberflächlich gehen wir bei dieser bewertung vor? raumelemente, die einander nicht einmal berühren bilden doch ein ganzes. welche davon sind nun als real, welche als künstlich zu bezeichnen? wie transparent ist uns unsere wirklichkeit?


zwischen dach und boden / zeichnung / installation / 2011

ein hoher raum, der über 3 etagen geht, dominiert die ausstellungsarchitektur. auf halber höhe blickt man von einer galerie auf eine konstruktion herab, die aus miteinander verbundenen fichtholzlatten bestehend an einen dachstuhl erinnert. in marianne langs installation zwischen dach und boden spreizen sich bauelemente in die höhe und trennen den raum in ein oben und ein unten. assoziationen an first, gaupe, schornstein kommen zustande, während gleichzeitig gezielt inszenierte schatten an den wänden ihren eigenen gesetzen folgen. ein gewirr an linearen verstrickungen, unzusammenhängende kreuzungen und abgewinkelten verzerrungen spiegeln eine sicht der realen dinge wieder, die als projektion kaum mehr nachvollziehbar sind. das wahrgenommene abbild der realität manifestiert sich in transformierter art und weise auf den massiven wänden, scheint diese zu gliedern und im selben moment grafisch aufzulösen. orthogonale und statische bezüge verlieren sich im raum, inszenieren konstruierte lichtverhältnisse und definieren den bestehenden raum neu. gleichsam entstehen in verbindung mit ihrer objekthaftigkeit auch stets neue blickweisen auf die installation, sobald man als betrachter seine position verändert. es handelt sich nicht um bloße verwirrtaktik. die installation gibt nichts vor, was sie nicht ist. ganz bestimmt ist sie kein schick designtes lichtobjekt, um innenarchitektur zu gestalten. vielmehr handelt es sich um ein gedankenkonstrukt, eine idee und eine komplexe fragestellung maßgeschneidert für den ausstellungsraum. wie definieren wir unseren umraum? und wie (buchstäblich) oberflächlich gehen wir bei dieser bewertung vor? raumelemente, die einander nicht einmal berühren bilden doch ein ganzes. welche davon sind nun als real, welche als konstruiert bzw. virtuell zu betrachten? hinter marianne langs arbeiten steckt immer ein sehr persönlicher und poetischer ansatz, der zum nachdenken, vor allem aber zum hinterfragen inspirieren möchte.

 

der gedanke, das eigene eigenheim sei nicht real, sei eine illusion, mag verstörend wirken. marianne lang hält jedoch vor augen, wie sehr unser wortwörtliches "wahrnehmen" doch auf sehgewohnheiten und gedankenkonstruktion beruht. so auch in face it, eine serie an tuschzeichnungen auf denen in symmetrischer formation kleckse zu sehen sind, die an psychoanalytische tests erinnern. verrinnende farbwolken und nebulose flächen, die sich ins papier saugen, verleiten den betrachter dinge hinein zu interpretieren. das menschliche gehirn ist darauf programmiert, visuellen eindrücken eine bedeutung zu geben. in dieser arbeit von marianne lang tappt der betrachter in eine konzeptionelle falle. die außenformen der tuscheflecken sind keineswegs beliebig ins blatt gesetzt, sondern ergeben jeweils die silhouette eines isolierten tapetenmusterelements. stark vergrößert und aus seinem zusammenhang gerissen zitier jedes bild den industriellen rapport, so wie er in tausenden wohnungen in tausendfacher vervielfältigung zu sehn ist. sowohl das betrachtende individuum als auch das einzelne objekt wird (wieder) teil einer masse. kritisch und desillusionierend offenbart sich das konzept. schlicht der wunsch nach omnipräsenter sinnhaftigkeit füllt und verschönert die heimischen wände - und das möglichst viel und möglichst überall.

exhibition view: khg galerie / graz / 2011

face it / zeichnung / 100x70cm / 2011