fertigparkett / zeichnung / installation / 24qm / 2011
marianne lang
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marianne lang beschäftigt sich mit dem privaten raum und dessen wahrnehmung. ihre schlichten, meist steril anmutenden Welten bestehen aus trügerischen oberflächen, die sich einerseits zu dynamischen raumkonzepten verketten, sich andererseits dabei aber als inszenierte farce entpuppen und das auge des betrachters lügen strafen. extrahierte schichten und formale zitate aus der wohnung der künstlerin präsentieren sich tautologisch in zeichnungen, videos und installationen, um den ausdruck „der eigenen vier wände“ zu hinterfragen und ad absurdum zu führen.

die installation fertigparkett setzt sich aus zeichnungen auf karton zusammen, die in fischgrätenmuster naturgetreu das abbild des parkettbodens im wohnatelier der künstlerin wiedergibt. details wie holzmaserung, die abstände der aneinanderstoßenden bretter oder auch vereinzelte astlöcher sind zu sehen. die fläche wird 1:1 in ihrer dimension übertragen und in den sogenannten white cube transferiert.
plötzlich sieht sich der ausstellungsbesucher damit konfrontiert, die etikette zu wahren, um sich guten gewissens umsehen zu dürfen. beim betreten des ausgelegten bereiches ist er angehalten, seine schuhe auszuziehen und gästepantoffeln anzuziehen. gesetzmäßigkeiten von privatem terrain und kunstraum vermischen sich und scheinen äquivalent zu werden. nur wer diese gepflogenheit befolgt, hat die berechtigung persönliche eindrücke zu gewinnen, die den privaten raum der künstlerin substanziell bilden: ausdehnung, eingrenzung und bewegungsspielraum. losgelöst von eigentumsverhältnis, gebrauchswert und tatsächlicher verwurzelung werden hier auch intime erinnerungen und sentimentale berührungspunkte spürbar. die trügerische inszenierung stellt dem besucher jedoch eine fangfrage, indem sie ihm vermittelt einen vermeintlich realen raum mit fiktiver lebensweise in beziehung setzen zu können.

exhibition view: galerie eboran / salzburg / 2011

kristalline / zeichnung / je 30x40cm / 2011
einen weiteren poetischen ansatz verfolgen marianne langs kristalline. an den galeriewänden befinden sich regale, auf denen in aufgestellten bilderrahmen gezeichnete bergkristalle zu sehen sind. außerdem ist ein übergroßer hausförmiger setzkasten auszumachen, einen wie man ihn benützt um darin nippes oder eben schöne steine aufzubewahren, bzw. auszustellen. gemeinsam bildet das arrangement eine gedankenkette, die von gesuchtem, gefundenem und zu hause liebevoll archiviertem bzw. präsentiertem erzählt. die künstlerin nähert sich dieser assoziation, indem sie den gegenstand des interesses studiert, ihn sich zeichnerisch aneignet und für ihre zwecke adaptiert und arrangiert.
ein echter bergkristall ist trotz seines langen entstehungsprozesses kaum von finanziellem wert, und doch existiert eine sentimentale beziehung zu seinem finder, der diese erinnerung pflegt und im schaukasten andere an dem erlebnis teilhaben lassen möchte.
marianne langs zeichnungen zeigen die steine ohne hintergrund (also ohne ortsbezug), aus ihrem zusammenhang gerissen und dem neuem kontext „ausstellungsraum“ eingepflanzt. auch wenn das schatzkästchen hier musealen charakter bekommt, wird die frage bewusst offen gelassen, wer nun aus welcher perspektive den wert der sammlertrophäe objektiv bestimmen und schätzen darf: besitzer oder betrachter – oder etwa keiner von beide