die arbeit weather diary befasst sich mit den atmosphärischen elementen des himmels, den man täglich prüfend begutachtet, weil er uns menschen auf die eine oder andere weise permanent beeinflusst. die serie besteht aus sieben zeichnungen, die an sieben aufeinanderfolgenden tagen bzw. wochentagen entstanden sind und jeweils wetter- und wolkenformationen in einem gewissen zeitraum dokumentieren. die diffusen und flüchtigen gebilde sind in prägnanter und doch sensibler machart festgehalten und überschneiden und überlagern sich gegenseitig auf dem blatt aufgrund der vorgegebenen zeitspanne.
obwohl naturalistisch dargestellt, bergen die motive doch per se eine gewisse abstraktion, die man aus eigener erfahrung vom beobachten der wolken kennt: sie lässt einen dinge erkennen und hineininterpretieren, wie sie nur die individuelle phantasie zustande bringt.
auf der einen seite verortet die studie den betrachter durch die konstante beobachtung eines ausschnitts des himmels von einem punkt aus, auf der anderen seite gibt die zeichnung keine nähere information preis, wo sich der aussichtspunkt befindet bzw. befand, als das bild entstand. die in schreibmaschinenartiger schrift gefasste angabe von wochentag und uhrzeit rechts unten im bild täuscht eine chronologisch präzise dokumentation vor, die gar nicht existiert, durch den entstehungsprozess an sich ja gar nicht existieren kann.
wie bei einer mehrfachbelichtung lässt die künstlerin viele einzigartige momentaufnahmen zu einem einzigen fiktiven ablauf verschmelzen, den nur das anmaßende auge des betrachters nachvollziehen zu glauben scheint.

marianne lang
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weather diary / zeichnung / bleistift / je 65x50cm / 2012-15
weatherdiary
die arbeit permafrost beschäftigt sich mit aggregatzuständen im freien, die je nach wetterlage und jahreszeit variieren. marianne lang greift das bekannte phänomen auf, wenn fensterscheiben durch gefrierende luftfeuchtigkeit beschlagen, sich in einem muster aus kristallen die hauchdünne eisschicht schließt und der blick nach draußen verwehrt wird. gleich einem archivar geht die künstlerin hier ganz pragmatisch vor und hält das geschehen dauerhaft als gravur auf glas fest. transparenzen bleiben erhalten, und zartes durchscheinen von licht imitiert den zustand eines vereisten fensters im winter. indem marianne lang den versuch des festhaltens eines vom wetter abhängigen und – einmal da – von ihm ständig beeinflussten vorgangs in den kunstraum transferiert und ihn als bild an die wand hängt, wirft sie die frage auf, wie künstlich und unreflektiert wir naturschauspiele oder abläufe in der natur eigentlich wahrnehmen.
permafrost / glasgravur / 2012-15
marianne lang permafrost