marianne lang
workcv contact news
< >
buchdrucker und kupferstecher / stuck / 2014
wandarbeit
wandarbeit
wandarbeit
wandarbeit

buchdrucker und kupferstecher sind nicht nur veraltete berufsbezeichnungen bei der herstellung von druckerzeugnissen, vielmehr begegnen sie uns heute in zeiten der monokulturen als massenvernichtende destruenten im ökosystem wald. zur familie der heimischen borkenkäfer gehörend, zählen sie neben dem großen und dem kleinen waldgärtner zu den berüchtigsten rindenbrütern, die für ihren unstillbaren hunger sowie ihr unverkennbares fraßbild bekannt sind: die für natürliche verhältnisse äußerst diszipliniert symmetrisch und orthogonal geformten gänge im bast ergeben ein schriftbild, das an primitive oder prähistorische darstellungen erinnert, durchaus aber auch assoziationen eines computerplatinen-layouts zulässt. die linien wurden nach einem präzisen schema gezogen, verlaufen streng parallel zueinander und durchkreuzen einander nie. ausgehend von sogenannten muttergängen dehnen sich larvengänge flächig unter der rinde aus und werden an ästen und stamm abgestorbener bäume sichtbar.
dieses graphisch reizvolle und faszinierende phänomen wird von marianne lang in ihrer arbeit buchdrucker und kupferstecher formal aufgegriffen und überzieht als solche wände und decken mit einer absonderlichen variation einer stuckatur, die auf das brutsystem der borkenkäfer bezug nimmt. im gegensatz zum vorbild aus der natur geht sie dabei nicht subtraktiv vor, sondern lässt die sich verzweigenden stränge aus der wand erhaben hervortreten. die künstlerin dreht somit den spieß um und erzeugt reliefartige gebilde, die wie versteinerungen anmuten oder dem abguss eines höhlensystems ähneln, das aus der fläche kommend raum einnimmt. technisch betrachtet steht die arbeit damit in tradition der stuckverzierung des barock und rokoko, liefert insbesondere aber auch referenzen zu dekor und ornament des jugendstils. die arbeit bildet große zierfelder, die wand- und deckenflächen strukturieren und aufteilen. trotz amorpher konturen entstehen strenge systeme, die sich für den betrachter als stimmig und mustergültig erweisen, weil sie sich buchstäblich in sein verständnis für ornamentik eingefressen haben.