marianne lang
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hideout / foto / intervention / modell / 2014

hochsitze (oder auch hochstände genannt) sind jagdliche einrichtungen, die dem jäger dazu dienen, aus einer erhöhten position witterungsgeschützt das wild zu beobachten bzw. ihm aufzulauern.
meist haben diese konstruktionen einen simplen aufbau: eine leiter - üblicherweise mit dem grundgerüst fest verbunden - führt hinauf zu einer plattform, die auch als kanzel bezeichnet wird. diese umschließen ein pultdach sowie wänden mit schießscharten. im inneren befindet sich eine einfache sitzgelegenheit.
da es keine gesetzlichen reglements oder normen gibt, wie die ansitzeinrichtungen konkret auszusehen haben, obliegt es der verantwortung der jagdausübungsberechtigten den jeweiligen hochstand funktional, solide und sicher zu errichten und dahingehend instand zu halten. in der realität herrscht deshalb ein pragmatismus vor, bei dem nicht selten behelfsmäßig zusammengezimmerte holz- und blechreste zum einsatz kommen,was erklären dürfte, weshalb in den medien immer wieder von unfällen verunglückter jäger zu hören ist.
in ihrer arbeit "hide out" kreiert marianne Lang ein 1:1 modell eines hochsitzes.
für die künstlerin steht dieses konstrukt stellvertretend für die absurde situation, wenn der jagende mensche sich einen vorteil zu verschaffen versucht, indem er sich groß macht, sich eine unbewegliche kiste um sich herum baut, aus der er hinausgucken kann und von der aus er die kontrolle über sein revier auszuüben vermag. diese karikatur wird im rahmen der künstlerischen installation auf die spitze getrieben, sobald man bei näherer betrachtung bemerkt, dass das modell in der landschaft lediglich aus provisorisch mit klebeband zusammengehefteter wellpape besteht. durch die funktionslosigkeit des objektes und den unwillkürlich bevorstehenden zersetzungsprozess durch wind und wetter entpuppt sich das architekturzitat als unbeständige attrappe. man stellt sich unwillkürlich die frage, wie es nun weitergehen wird, wie das werk in wenigen tagen, wochen wohl aussehen wird. auch wenn es sich hier bloß um karton handelt, kommen einem doch vergleichende bilder ins gedächtnis von den vielen verwaisten und von der natur zurückeroberten hochständen, welche die jägerschaft abzutragen verabsäumt hat und nun keine gefahr mehr für das wild darstellen.

hideout1
hideout3
hideout2
fototapete
brandgravur
hideout6
hideout7
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fellimitat / zeichnung / holzgravur / 130x120cm / 2013
bei der arbeit fellimitat nimmt marianne lang eine materialverfremdung an einer beliebten trophäe dem pelz vor und spielt mit haptisch-taktilen wahrnehmungsgewohnheiten wie auch mit dem bedürfnis der repräsentation mittels statussymbolen. dem sammler dient das fell als erinnerungsstück, prestigeobjekt oder einfach nur als beute. zudem steigert es als erweiterung seiner sammlung deren wert. dem betrachter dieser arbeit wird anstatt gegerbten leders nur zusammengestückelte holzpaneele vorfinden, wie sie bei parkettfußböden verwendet werden. der pelz besteht nicht aus weichen oder borstigen haaren, sondern ist reduziert auf die fläche und als zeichnung in die holzmaserung eingebrannt. die geänderte materialität demaskiert - nicht zuletzt als dezenten seitenhieb auf den kunstbetrieb - die erwartungshaltung des betrachters und offenbart ironisch den wunsch, sich und seine umwelt anhand schmucker trophäen messen und werten zu wollen.
nachtaktiv / foto / intervention / 2016
innerhalb der waidmann-community gilt es als klassischer anfängerfehler, wenn man auf den hochsitz bzw. hochstand zuviel zeug mitnimmt; raschelnde zeitschriften, taubmachende kopfhörer, klingelnde handys, klappernde campinghocker, harntreibende und/oder alkoholisierende getränke - all dies sind kontraproduktive ablenkungen; selbst der brave bello muss aus olfaktorischen gründen zu hause bleiben.
nichts soll den blick auf das wild trüben, nichts soll stundenlanger konzentration in eintracht mit der natur im wege stehen. dabei einzunicken (was im fachjargon als "ansitzschlaf" bezeichnet wird) und laut zu schnarchen ist ein absolutes no-go und vergrault nachhaltig die zielgruppe.
es gilt vieles zu wissen, zu lernen und zu beachten, will man ein vorbildlicher jagdscheinbesitzer sein. im laufe vieler jahre gewinnt man mit zunehmender erfahrung immer tiefere einsichten in das wesen von mensch und umwelt.
aber vielleicht verhält es sich auch hierbei wie so oft derart, dass man die regeln erst kennen muss, um sie brechen zu können. möglicherweise erkennt nur der eingefleischte, alte fuchs unter den jägern die wahre einzigartigkeit, ja das privileg seiner "wache", das mit der hohen verantwortung einhergeht.
diesem gedanken räumt marianne lang in ihrer fotoserie "nachtaktiv" platz ein, indem sie hochstände mit innenbeleuchtung in unterschiedlichen dämmerstimmungen und nachtsituationen ablichtet. wo sich fuchs und hase gute nacht sagen, verquicken sich Ironie und abendromantik. der hochstand wird zum zweiten wohnzimmer, der jagdbeflissene zu jemanden, der wohl am liebsten gar nicht mehr nach hause gehen möchte.