in der installation diffusion hängen von einer kellerdecke zapfenartige gebilde in kunstvoll geformten profilen. durch die kühle und feuchte umgebung und die runden gurtbögen des kappengewölbes assoziiert man stalaktiten in einer tropfsteinhöhle. tatsächlich bildet das einander durchdringen unterschiedlicher elemente, schichten und stoffe in marianne langs arbeit eine immer wiederkehrende facette und spiegelt sich hier im terminus diffusion wider. dieser ausdruck beschreibt unter anderem das gleichmäßige eindringen und verteilen von feuchtigkeit in einen festen körper wie zum beispiel einer kellerwand, und ist die folge von kondensation und sickerwasser.
in ihrem beitrag reagiert die künstlerin auf den raum im souterrain, indem sie den ausstellungsgegebenheiten adäquate materialen benützt. aluminenfolie und dämmwolle wie sie häufig in tiefgeschossen zur anwendung kommen schützen vor nässe und kälte und ummanteln leitungen, schächte und rohre. die künstlerischen gebilde hier verfolgen jedoch keine praktische funktion, sondern trachten vielmehr danach irritation beim betrachter auszulösen. die profilierung und die formensprache der hängenden objekte erinnern bewusst an verzierungen aus der fassadengestaltung in altbäuerlicher tradition, wie sie im süddeutschen raum zu finden ist. kunstvoll geschnitzt schützen die sogenannten "pfettenbretter" das stirnholz der im dachstuhl waagrechten träger (pfetten) im außenbereich vor regen und verwitterung und wehren zudem übernatürliche kräfte und böse geister ab.
einmal mehr arbeitet marianne lang mit stilzitaten, die sie ihrer umwelt entnimmt und in neuem, geänderten kontext wieder einpflanzt. tote und dennoch organisch wachsende materie, sowie pragmatismus und funktionsloses ornament durchdringen einander und konstruieren ein künstliches raumkonzept voll poetischer ansätze und widersprüche.

marianne lang
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diffusion / installation / 2011

exhibition view: kro art gallery / vienna / 2011