Baumfrevel
marianne lang
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baumfrevel / bleistiftzeichnung mit holzintarsie / 40x30 - 70x90cm / 2016

aus der distanz sind nur unregelmäßige flecken zu sehen, bei näherer betrachtung erkennt man in marianne lang baumfrevel das äußerst dezent gezeichnete motiv von blättern, die auffällige beschädigungen aufweisen, wie sie üblicherweise die fraßspuren von raupen hinterlassen. diese löcher werden nun von der künstlerin mit der klassischen dekorationstechnik der holzeinlegearbeit wieder geschlossen d.h. hauchdünne holzfurniere sind ins blatt eingesetzt und füllen die lücken im papier.
einmal mehr liefert eine naturbeobachtung den ausgangspunkt. die bereits weitergezogenen raupen, die sich am laub gütlich getan haben, hinterlassen löcher wie chaotische chiffren, die in unseren augen ganz unbewusst als schaden oder akt des vandalismus interpretiert werden und die perfektion des geäderten pflanzenblattes regelrecht verschandeln. diesen affront nützt marianne lang, um ihn buchstäblich auszuschmücken. passenderweise verwendet sie wiederum das material holz, wenn sie mit augenzwinkern dem zufall in der natur als gefundene komposition auslegt und mit intarsien veredelt.

 

Baumfrevel
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feldspat quarz und glimmer / kreide & kohle auf granit / 35-teilig (40x40cm granitplatten) gesamtgröße 280x200cm

baustoff nummer 1 beim anlegen einer steintrasse im garten ist die granitplatte. sobald das gleich einem teppich zugepflasterte stück land fertig vereinnahmt wurde und wie die erweiterung des eigenen wohnbereiches im freien betrachtet und genützt wird, vergisst man allzu leicht, von welcher geschichtsträchtigkeit man umgeben ist.
der merkspruch im volksmund "feldspat, quarz und glimmer, die vergesse ich nimmer" vereinfacht die zusammensetzung von granit, gibt aber noch keinen unmittelbaren rückschluss über das tatsächliche alter der platte, beziehungsweise deren geologischer entwicklung.
man weiss aber, dass granit aus erstarrtem magma, also flüssigem gestein innerhalb der erdkruste entsteht und für die entstehung dieser magmakammern mit 10 bis 15 millionen jahren gerechnet werden muss.
genauso geschichtsträchtig, aus der perspektive des lebens, ist die evolutionäre erfolgsstory der asseln - in unserem fall der gemeinen mauerassel, die besonders gern die steintrassen heimischer terrassen unterwandert. diese sogenannten destruenten zersetzen und verwerten jegliches organische material und führen ein schattendasein. nicht selten überkommt einen schierer ekel, sobald man einen stein hochhebt und sich mit einem chaotisch-panischen fluchtgewusel konfrontiert sieht. aus der sicht des biologen sind die asseln aber die siegertypen schlechthin, konnte man doch versteinerungen dieser gepanzerten gliederfüßer bis auf das Paläozoikum (erdaltertum ) zurückdatieren.
diese beide erwähnten motivelemente greift die künstlerin marianne lang in ihrer arbeit feldspat, quarz und glimmer auf und transformiert sie mithilfe eines ironischen, aber sehr treffend ausgewählten technischen kunstgriffs: sie bezeichnet granitplatten mit kreide und kohle (ebenso geschichtsträchtig - aus der sicht des geologen, wie der des kunsthistorikers) mit hunderten von asseln.
im übertragenen sinn bringt sie dadurch die ansonsten unsichtbaren, ekelerregenden invasoren aufs tapet, gruppiert die tiere aber - als wären sie dressiert - zu ornamentalen flächen bis sie letztendlich die form eines einladenden teppichs einnehmen.