marianne lang
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kahlschlag oder die große leere / kreide und bleistift auf papier / 500x300cm / 2016

es ist eine frage der perspektive wie man die arbeit von marianne lang liest, die den titel trägt kahlschlag oder die große leere.
im ersten moment assoziiert das auge des betrachters einen sternenhimmel, in dem mal grössere mal kleinere asteroiden durch den raum schweben. passerkreuze, wie man sie von diversen weltallaufnahmen kennt, markieren die einzelnen zusammengesetzten bildausschnitte und erfassen die abgebildeten objekte in ihrer positionierung. die illusion eines toten und doch lebendigen weltraums verdichtet sich in dem insgesamt 3x5 meter grossen werk, so wie sie in unendlicher ferne möglicherweise existieren könnte.
tatsächlich blickt man auf ein sehr bodenständiges phänomen, und zwar im wahrsten sinne des wortes. die kreidezeichnung auf schwarzem papier dokumentiert im massstab 1:1 eine rechteckige waldparzelle, die gerodet wurde. der sogenannte kahlschlag meint in der forstwirtschaftlichen terminologie das gro§flŠchige abholzen eines waldstückes innerhalb eines kurzen zeitraums. unter diesem blickwinkel betrachtet, bemerkt man nun - wie in einem querschnitt von oben - gekappte baumstrünke mit jahresringen und sägespuren sowie geschnittene unterholz drumherum.
marianne lang zeichnet ein 15qm grosses vexierbild, das zwei seiten einer medaille zeigt. in ihrer gegenüberstellung von mikro- und makrokosmos spiegelt sich nicht nur die analogie von raum und distanz wider, sondern auch ein zeitlicher aspekt, der - je nach wahl der perspektive - eine festgehaltene momentaufnahme oder das entrückte nachbild einer fernen vergangenheit erkennen lässt.

kahlschlag oder die große leere / kreide und bleistift auf papier / 40x30 / 2016